Teilhabe in Kita, Schule und Beruf

(11.12.2015)

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Inklusion soll gleiche Chancen auf Bildung für alle sichern. In einer vielfältigen Gesellschaft betrifft das nicht nur Menschen mit oder ohne Behinderung: Auch unterschiedliche ökonomische oder kulturelle Voraussetzungen sind pädagogisch bedeutsam.

Von der frühkindlichen bis zur beruflichen Bildung berührt Inklusion alle Bildungsbereiche. Zwar ist das gemeinsame Leben und Lernen in den meisten Kitas Normalität, doch die demografische Entwicklung stellt Erzieherinnen und Erzieher vor neue Herausforderungen: Immer mehr Kinder bringen unterschiedliche Sprachen, Religionen und Kulturen mit, auch Einkommen und Bildungsgrad der Eltern können stark voneinander abweichen.

Teilhabe ist Menschenrecht
Seit der UN-Behindertenrechtskonvention ist Inklusion vor allem in Bezug auf Kinder mit besonderem Förderbedarf in den Fokus gerückt. Mit seiner Unterschrift hat sich Deutschland verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem bereitzustellen. Die Konvention hat gleichzeitig eine breite Diskussion ausgelöst, weil sie nicht eindeutig vorgibt, wie Inklusion in der Schule umgesetzt werden soll. Im stark differenzierten deutschen Schulsystem fordert Inklusion besonders die weiterführenden Schulen heraus: Welche Rolle werden künftig die Förderschulen spielen? Wie gelingt Inklusion auch am leistungsorientierten Gymnasium? Einen einheitlichen Weg gibt es im deutschen Föderalsystem nicht, aber es zeichnen sich Tendenzen ab: Alle Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit haben, gemeinsam unterrichtet zu werden, so das Ziel der Kultusministerkonferenz der Länder. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig die Abschaffung des in Deutschland fest etablierten Förderschulwesens. Die Förderschulen bilden - so die Befürworter - wichtige Schutzräume für förderbedürftige Kinder.

Was Inklusion für sie bedeutet, formulierten Eltern aus Nordrhein-Westfalen in einer gemeinsamen Erklärung im Dezember 2015: "Inklusive Schulen teilen ihre Schüler nicht in ´Schubladen` auf. Stattdessen gestalten Lehrer und Sonderpädagogen einen gemeinsamen Unterricht, der allen Schülern gerecht wird." Kritikern zufolge fehlen sonderpädagogisch gebildete Lehrkräfte, individuelle Lehrpläne und technische Hilfsmittel. Die Qualität des inklusiven Unterrichts an Regelschulen halten sie für nicht ausreichend.

Der Anteil der inklusiv beschulten Kinder mit Förderbedarf in Deutschland ist in den letzten Jahren auf fast ein Drittel gestiegen. Der Schüleranteil an Förderschulen geht jedoch kaum zurück, wie die Bertelsmann Stiftung feststellt. Die Anzahl der förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler hat sich also - zumindest auf dem Papier - stetig erhöht.

Herausforderung für die Berufliche Bildung

Inklusion betrifft auch die Bereiche Ausbildung, Studium und Beruf. Laut Inklusionsbarometer der Aktion Mensch ist die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung mit rund 14 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote. Und: Zu wenige von ihnen können ihren Wunschberuf auf dem ersten Arbeitsmarkt ergreifen. Auch Jugendlichen mit Migrationshintergrund gelingt der direkte Übergang in eine duale Ausbildung seltener als ihren Altersgenossen ohne Migrationshintergrund, wie eine Befragung der Bertelsmann Stiftung ergab. Das Bewusstsein für eine bessere Teilhabe im Beruf wächst und Lehrkräfte und Ausbildungsbetriebe suchen nach Möglichkeiten, sich den Bedürfnissen einer vielfältigen Gesellschaft besser anzupassen.

Bildungsklick.de vom 10.12.2015
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