Digitales Lernen im Schulunterricht

(16.02.2016)

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In Bremen und Bremerhaven wurde 2014 für alle Schulformen eine einheitliche, webbasierte Lernplattform eingeführt. Über ein digitales Schulnetzwerk können Unterrichtsmaterialien, Hausaufgaben, Informationen über Aktivitäten und Bewertungen zwischen Lehrkräften, Schülern und Eltern ausgetauscht werden. Wie digitale Medien im Schulunterricht eingesetzt werden können, berichtet Dr. Claudia Bogedan. Sie hat die Digitalisierung als einen Schwerpunkt für ihre Präsidentschaft bei der Kultusministerkonferenz gewählt.

 Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung in Bremen und Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2016 Fünf Fragen an Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung in Bremen und Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2016

Frau Dr. Bogedan, welche Herausforderungen sehen Sie bei der "Digitalisierung" deutscher Schulen?
Die Herausforderungen liegen auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Einerseits müssen wir es hinbekommen, die Digitalisierung als einen umfassenden Prozess zu verstehen und eben nicht auf die Frage zu begrenzen, ob jedes Kind ein Tablet haben muss. Ich glaube, Digitalisierung ist mehr. Es verändert unsere Zusammenarbeit im Alltag und unsere Art, wie wir kommunizieren und mit Informationen umgehen. Alle diese Aspekte müssen sich in unterschiedlichen Formen auch in Schulen wiederfinden. Gleichzeitig ist es auch so, dass die Vereinfachung auf die Frage "Brauchen wir das Fach Informatik?" dem Diskurs aus meiner Sicht nicht gerecht wird. Es geht um einen umfassenden Einsatz in Schulen selbst.

Wie sieht eine sinnvolle Nutzung digitaler Medien im Unterricht konkret aus?
Konkret wird an vielen Schulen das Prinzip "bring your own device" genutzt. Dann gilt im Unterricht nicht das klassische Handyverbot, sondern Lehrerinnen und Lehrer greifen darauf zurück, dass die meisten Schülerinnen und Schüler heute - zumindest im fortgeschrittenen Alter - über Smartphones verfügen. Diese können dann klug im Unterricht eingesetzt werden. Das Einfachste ist, dass man Rechercheaufgaben darüber macht. Es geht aber auch um die Möglichkeit, Erklärvideos im Unterricht einzusetzen oder Präsentationen vorzubereiten.

Benötigt man künftig "Digitalisierung" als eigenes Fach in der Lehrerausbildung?
Wir müssen zunächst ein Verständnis dafür entwickeln, dass die Digitalisierung etwas ist, das alle Fächer umfasst. Wenn "Digitalisierung" ein separates Fach wird, dann ist es schwierig mit den Fachinhalten zu verknüpfen. Das ist aber gerade das Spannende: die Potenziale und Möglichkeiten digitaler Technologien zu nutzen. Das Ziel ist es, Wissen zu vernetzen. Eine Lernsoftware kann verstehen, welche Art von Fehlern gemacht wurden - genauso wie die Lehrkraft. Es gibt klassische und typische Fehler. Die digitale Technik ist in der Lage, menschliches Verhalten zu antizipieren und zu berücksichtigen. Die Software passt sich an und kann auch selbst lernen.

Wie sieht die Arbeit der Kultusministerkonferenz im Schwerpunkt "Digitalisierung" aus?
Wir haben sechs Arbeitsgruppen, die unterschiedliche Handlungsfelder intensiv bearbeiten. Das ist einmal die curriculare Umsetzung von Digitalisierung in der Lernkompetenzentwicklung. Das zweite betrifft dann die Lehrerinnen- und Lehrer-Ausbildung. Das dritte Themenfeld ist der Infrastrukturaufbau. Das vierte ist E-Governance: der Einsatz von digitalen Technologien, Verwaltung und Schulsteuerung. Das fünfte Themenfeld sind Bildungsinhalte. Das sechste Handlungsfeld sind die rechtlichen und funktionalen Rahmenbedingungen: Vielfach passiert es, dass Lehrer und Schüler sich beispielsweise über WhatsApp vernetzen und das nicht der beste rechtlich geschützte Rahmen ist. Deshalb haben wir in Bremen die Lernplattform "itslearning" umgesetzt, über die dieser Austausch stattfinden kann.

Wir sprechen die ganze Zeit über Schule. Wie sieht es an den Hochschulen aus?
Da ist der Prozess zum Teil schon weiter fortgeschritten. Das hat damit zu tun, dass individualisiertes Lernen an den Hochschulen viel selbstverständlicher stattfindet. Wir haben zudem in den letzten Jahren an den Universitäten hohe Investitionen beobachten können. Wir entwickeln an der Uni Bremen eine App, die uns bei der Beschulung von Flüchtlingen hilft. Andere Apps ermöglichen schnelleren Lernerfolg oder schaffen Lernmöglichkeiten außerhalb der klassischen Unterrichtssituation.

Quelle: bildungsklick.de vom 12.02.2016
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