Eine gute Kita hat Qualitätsprozesse im Blick

(18.01.2018)

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Trophäen überreichen kann jeder. Für Andreas Knoke, Leiter Programme der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, ist der Deutsche Kita-Preis mehr als ein Wettbewerb: Er soll fachliche Orientierung bieten und die Qualitätsdebatte rund um Kitas befördern.

Herr Knoke, was macht Ihrer Meinung nach eine gute Kita aus?
Eine gute Kita bietet vor allem erst einmal allen Kindern die besten Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebote. Für den Kita-Preis haben wir dieses Verständnis gemeinsam mit unseren Partnern in vier Qualitätsdimensionen übersetzt: Kindorientierung, Sozialraumorientierung, Partizipation und Lernende Organisation. Über diese fachlichen Aspekte hinaus nehmen wir zwei Dinge in den Fokus. Erstens schauen wir auf die Entwicklungsprozesse. Eine gute Kita in diesem Sinne setzt sich kontinuierlich mit der Qualität ihrer Arbeit auseinander. Das heißt, sie prüft ihre Angebote, sie weiß, was sie gut kann und wo sie besser werden will, sie setzt sich Ziele und prüft diese regelmäßig. Eine gute Kita hat Qualitätsprozesse im Blick. Zweitens ist Qualität auch immer von Rahmenbedingungen abhängig, und die sind zwischen den Bundesländern, innerhalb der Bundesländer, im Dorf oder in der Stadt grundverschieden. Gute Qualität misst sich auch immer daran, wie gut es einer Kita gelingt, die jeweiligen Rahmenbedingungen so zu nutzen, dass die Qualität bei ihr stimmt. Also Kindorientierung, Entwicklungsorientierung und Kontextbezug - das macht eine gute Kita aus.

Brauchen wir ein Bundesqualitätsgesetz für Kitas?

Wir würden es sehr begrüßen, wenn Bund und Länder das geplante Bundesqualitätsentwicklungsgesetz umsetzen. Wir glauben, dass eine gemeinsame Orientierung, vor allem aber auch ausreichende Ressourcen und gute Strukturrahmenbedingungen wichtige und notwendige Voraussetzungen für eine hohe Qualität sind. Es sind aber gleichzeitig keine hinreichenden Voraussetzungen, weil die Qualität selbst auf dieser Grundlage natürlich vor Ort von den Fachkräften und ihren Partnern hergestellt werden muss.

Was sind zurzeit die größten Herausforderungen für Kitas?

Wir haben 2016 fünfzig bundesweite Dialoge zu diesem Thema durchgeführt, mit zweieinhalbtausend Teilnehmenden. Wir haben gefragt: Was ist für euch Qualität, was befördert und was behindert sie? Das Ergebnis fiel ziemlich klar aus. Die Fachkräfte aus den Kitas sagen: "Wir brauchen mehr Zeit." Und zwar nicht nur pauschal, sondern sie brauchen mehr Zeit für die Kinder, also einen guten Betreuungsschlüssel, und mehr Zeit für die Arbeit mit den Eltern. Sie brauchen Zeit für die Qualitätsentwicklung im Team und vor allem auch für Leitungsaufgaben. Und die vierte große Aussage war: "Wir brauchen mehr Zeit für Kooperationen und Vernetzungen im sozialen Raum." Das waren sehr eindeutige Rückmeldungen. Aktuell benennen Kitas natürlich auch ganz konkrete Herausforderungen: Die Integration geflüchteter Kinder, Inklusion oder Sprachförderung - da gibt es sehr viele Aufgaben, aber im Grunde haben wir gehört, dass es vor allem an der Zeit hängt.

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