Predigt allezeit das Evangelium und wenn nötig, auch mit Worten

(14.01.2019)

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In den Schulen geht das Halbjahr mit riesigen Schritten seinem Ende entgegen, die Winterferien kündigen sich an und in den Lehrerzimmern werden Zeugnisse geschrieben. In dieser stressigen Zeit trafen sich 20 junge Religionslehrerinnen und Religionslehrer aus Sachsen-Anhalt, um ihre kirchliche Lehrerlaubnis, die Vokation, für den evangelischen Religionsunterricht zu erhalten. Die Landeskirche erteilt dabei nicht nur die Erlaubnis, sondern segnet sie auch für ihren Dienst, den sie auch als Dienst für unsere Kirche versteht.

Kirchenrätin Susanne Minkus-Langendörfer und Oberkirchenrätin Ramona Möbius segneten die Lehrerinnen und Lehrer zu ihrem Dienst ein. Die Schulbeauftragten der EKM und der evangelischen Landeskirche Anhalts überbrachten Glückwünsche für die neuen Kolleginnen und Kollegen.

 
Das staatliche Examen liegt für die meisten Kolleginnen und Kollegen aus den Grund-, Förder- und Sekundarschulen sowie aus dem Gymnasium schon eine Weile zurück. Die Tagung dient deshalb immer der Vergewisserung der eigenen beruflichen Identität und der Reflexion ihrer pädagogischen Haltung.

Aus einem Gesprächsgang der Tagung mit Regionalbischof Christoph Hackbeil stammt der folgende Mitschnitt:

Regionalbischof Christoph Hackbeil: Berufung ist ein hohes Gut, unabhängig davon, ob sie jetzt Ingenieur sind oder Friseurin oder Landwirt werden wollen. Warum tue ich beruflich irgendetwas? Das ist wohl eine ziemlich wichtige Frage. Pfarrerinnen und Pfarrer klären das für sich mit ihrer Ordination. Und die Kirche spricht ihnen dann zu: Sprich vom Evangelium und lebe das und gehe überall hin damit. Bei Lehrerinnen und Lehrern, also bei Ihnen, und mit der Vokation, passiert ja einerseits die Berufung, anderseits wird ihnen ja gleichzeitig sozusagen eine Bremse mit in die Hand gelegt: Lebe davon, dass dich Gott angenommen hat, verkörpere es, aber im Religionsunterricht bildest Du. Da sollst und darfst du nicht missionieren. Ist das für Sie eine reflektierte Schwierigkeit?

Eine Lehrerin: Ich formuliere es mal andersrum. Wenn ich einen Missionsauftrag bekommen würde oder wenn das meine Pflicht wäre, würde ich keine Religionslehrerin werden. Das ist meine Überzeugung. In der Geschichte wurde durch Missionstätigkeiten viel zerstört. Meine Religion braucht so eine übergriffige Art auch nicht. Punkt.
Aber: Wenn wir in unser pluralistischen Welt die Weltanschauung und Ethik des Christentums weitertragen wollen, geht es nur, indem man es lebt. Und wenn das dazu führt, dass dann irgendjemand sagt, ich will das genauer wissen, dann ist darauf zu antworten. Ich bin also wie ich bin oder wie ER mich gemacht hat, mit all meinen Talenten und damit lebe ich. Und ich denke, dass das genug Wirkung hat und zeigt.

  Ein Lehrer: Ich antworte abgeschwächter. Ich habe keine wissenschaftliche Definition von Mission in meinem Unterricht an der Hand. Ich gehe eher davon aus, dass mir junge Menschen gegenüber sitzen, die auf irgendeine Art ihre Bedürfnisse äußern oder meine Aufmerksamkeit suchen. Und wie ich darauf reagiere, kommt eventuell Mission zustande, ob wir das trennscharf so nennen mögen oder auch nicht. Ob ich dabei der aktive Part bin oder ob das, was ich sage, eine Erfahrung von Mission auslöst, ich glaube, das muss man trennen. Da liegen viele Welten der Deutung dazwischen. Ich kann deshalb nicht sagen: "Ich als Lehrer missioniere nicht." Dieser Satz stimmt so nicht. Das ist viel zu komplex und kann nur im Horizont von Hermeneutik verstanden werden. Ich will bewusst nicht als aktiver Missionspart auf meine Schülerinnen und Schüler einwirken. Wenn trotzdem etwas zustande kommt oder etwas wirkt … Das liegt nicht in meiner Hand.

Ein Lehrer: Ich für meinen Teil bin sehr dankbar, dass wir einen positionellen Religionsunterricht haben, weil ich denke, dass das ein Spannungsfeld aufwirft, was wir alle spüren, dass wir unterrichten und wir kennen unsere Rolle. Und es gibt manchmal Gespräche mit unseren anvertrauten Schülerinnen und Schülern, da werden wir gefragt, wie wir das eigentlich denken und leben. An der Stelle ist es uns erlaubt und erwünscht, dass wir Farbe bekennen. Und ich denke, das ist das Schöne am positionellen Religionsunterricht, dass wir manchmal nach unseren Positionen gefragt werden. Ich kann dann mein evangelisches Bekenntnis ganz leicht zeigen und mit der Stimme meiner Kirche sprechen. Und mein Lieblingszitat Zitat heißt deshalb: Predigt allezeit das Evangelium und wenn nötig, auch mit Worten.



Ein Lehrer: Ich sehe in der persönlichen Religiosität auch einen großen Vorteil. Die Schülerinnen und Schüler erwarten einen Sportlehrer, der sportlich ist, sie erwarten eine Deutschlehrerin, die in ihrer Freizeit Romane liest und da sind Religionslehrkräfte, die selber glauben, einfach überzeugender. Und die Schülerinnen und Schüler wollen jemand sehen, der da vorn für etwas steht und sich meinetwegen daran reiben.

Das Pädagogisch-Theologische Institut wünscht Gottes Segen und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.

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