Gefühlt wieder dabei

(30.06.2019)

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Der Sommer steht vor der Tür, der heißeste Juni seit Aufzeichnung der Wetterdaten in Deutschland liegt hinter uns. In den Schulen gibt es fast nur noch die Gedanken an die Ferien. In diesen Tagen trafen sich 14 junge Religionslehrerinnen und Religionslehrer Thüringens, um ihre kirchliche Lehrerlaubnis, die Vokation, für den evangelischen Religionsunterricht zu erhalten. Die Landeskirche spricht dabei nicht nur ihre Zustimmung für den Religionsunterricht der jungen Kolleginnen und Kollegen aus, sondern segnet sie für ihren Dienst in den Schulen, der immer auch als Dienst für unsere Kirche verstanden wird.

  Kirchenrätin Susanne Minkus-Langendörfer und Regionalbischof Dr. Johann Schneider segneten die Lehrerinnen und Lehrer zu diesem Dienst ein. Die Schulbeauftragten der EKM Bianka Übach-Larisch (Gotha) und Rolf Lakemann (Meiningen) überbrachten Glückwünsche. In einem eigenen Grußwort unterstrich Georg Funke, Vertreter des Thillm, die Bedeutung des Religionsunterrichts für die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und für das Gemeinwohl im Freistaat.

  Die Tagung dient dabei nicht nur einer Verhältnisbestimmung zwischen staatlichen Lehrkräften und der Landeskirche, sondern immer auch der Vergewisserung der eigenen beruflichen Identität und der Reflexion ihrer pädagogischen Haltung.

Aus einem Gesprächsgang der Tagung mit Regionalbischof Dr. Johann Schneider stammt der folgende Mitschnitt:

Ein Lehrer: Wenn man hört, dass bis 2060 siebzig Prozent der Kirchenmitglieder ausgetreten sind: Da muss man über Transparenz reden, denke ich, irgendwas unternehmen, um die Menschen zu aktivieren.

Regionalbischof Johann Schneider: Also Angst macht es mir nicht. Aber ich mache mir Sorgen und zwar Sorgen darüber, ob wir angemessen und glaubwürdig darauf eingehen können. Und das schreckt Menschen tatsächlich auf. Die EKM ist ein Empfängerland. Der größte Teil der Mittel für Personalkosten kommen aus anderen Landeskirchen. Und unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können bisher nur in Ansätzen auf die veränderten gesellschaftlichen Situationen reagieren. Da muss ganz viel geschehen, dass Kirche da die Glaubwürdigkeit behält.

Schulbeauftragte Bianka Übach-Larisch: Und deshalb ist der Religionsunterricht so wichtig, weil dort Menschen erreicht und angesprochen werden, die sonst kaum zu erreichen sind. Deshalb sind die Beziehungen, die im Religionsunterricht gestaltet werden, auch durch Sie, so wichtig.

Ein Lehrer: Inwiefern gibt es für unsere Schulen Partizipationsmöglichkeiten und wohin müssen wir uns wenden, wenn wir mit unseren Schülerinnen und Schülern da was machen wollen?
Und weiter: Sehen Sie Möglichkeiten, bestimmte Erwartungshaltungen oder Klischees von Kirche zu durchbrechen, die ja durchaus erfahrungsbegründet daherkommen?

Regionalbischof Johann Schneider: Diese Schnittstellen gibt es. Der Religionsunterricht wird besser, wenn er gemeinsam mit dem Ethikunterricht entwickelt wird. Leider gibt es in vielen Schulen dort Abgrenzungen oder Rivalitäten. Das gemeinsame Potential muss aber gestärkt werden. Das ist ein wichtiger Schlüssel, weil die Unterschiede von den jungen Leuten nicht so stark wahrgenommen werden. Hier gibt es auch Ideen für fachübergreifenden Blockunterricht, der stark berufsbiografisch orientiert ist. Das läuft richtig gut. Und das Dritte sind die Feiern zur Lebenswende. Die werden konfessionsübergreifend gestaltet, also katholisch und evangelisch, und die orientieren sich an den Fragen und Bedürfnissen der Jugendlichen, gerade wenn sie keiner Kirche angehören. Die Resonanz auf diese Feiern ist in den großen Städten Mitteldeutschlands sehr groß. Die persönliche Begegnung mit den Menschen der Kirche ist und bleibt aber auch hier der Schlüssel. Lehrerinnen und Lehrer gehören zu diesen "Ankerpersonen", aber nur, wenn Ihnen das selber wichtig ist. Ihre eigene Skepsis ist da kein Hindernis.

Schulbeauftragte Bianka Übach-Larisch:
Das ist die Authentizität, über die wir schon sprachen und die für den Unterricht so tragend ist.

Eine Lehrerin: Mir macht Sorge, dass ich so viele Kolleginnen kennengelernt habe, die ausgebrannt sind, die am Limit laufen. Die kommen an die Schülerinnen und Schüler nicht mehr ran und die sehen sich allein. Ich möchte in dreißig Jahren nicht so enden. Was sagen Sie?

Schulbeauftragte Bianka Übach-Larisch: Das kenne ich auch von vielen kirchlichen Mitarbeiterinnen, die einfach nicht mehr können. Da gibt es kaum Unterschiede zu den staatlichen Lehrkräften. Regionalbischof Johann Schneider: Ich kann das gut hören. Wir wissen aus empirischen Forschungen, dass das soziale Umfeld das auffängt. Ich denke hier an die Familien, aber auch die Kollegien. In einem meiner früheren Tätigkeiten hatten wir Balint-Gruppen, also eine Form der kollegialen Beratung, ähnlich wie hier, das hat mir immer sehr gut getan. Aber das muss regelmäßig sein.

Ein Lehrer: Ich gehe jetzt gestärkt aus der Tagung. Kirche hat ein Gesicht bekommen. Ich wusste vieles davon vorher schon, aber jetzt sehe ich Menschen dahinter. Ich bin gefühlt wieder dabei. Während des Studiums war da so was wie ´ne Pause. Ich glaube, das geht jetzt wieder los. Danke.

Das Pädagogisch-Theologische Institut wünscht Gottes Segen und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit, zum Beispiel bei Start up

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