Haben, als hätte man nicht

(08.01.2020)

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Auch im neuen Jahr wird es an Lehrerinnen und Lehrern in Sachsen-Anhalt und Thüringen fehlen. Das ist nicht neu und war vorherzusehen. Das Studium an den Universitäten braucht seine Zeit und der Vorbereitungsdienst an den staatlichen Ausbildungsseminaren dauert. Da heißt es Abwarten und an der inneren Haltung arbeiten oder wie Paulus im 1.Korinther schreibt: Haben, als hätte man nicht.

Die politischen Strategien sind vielfältig. Im Interview mit dem MDR sprach Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner davon, dass Lehrerinnen und Lehrer schließlich nicht im Supermarkt zu kaufen seien. 2019 hätte man ca. 1000 neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt. Das sei auch für 2020 so vorgesehen. Trotzdem reicht das nicht. Und deshalb mit Blick auf die Landwirtschaft: Die Saat ist ausgebracht, nun gilt es für Sachsen-Anhalt abzuwarten. Das Lernen und Arbeiten in den Schulen des Landes wird sich auf Dauer wohl nicht verbessern. Erst um 2025 herum könnte sich die Situation ändern. Das wird noch mindestens zwei Generationen von Schülerinnen und Schülern der heutigen Grundschulen betreffen. Mehr lesen

Sein Thüringer Kollege Helmut Holter will den Anteil von Seiteneinsteigenden erhöhen. Dies sei nötig, um den Unterricht überhaupt abdecken zu können. Dabei eröffnen sich jedoch immer wieder Fragen nach fachlicher und pädagogischer Qualität. Außerdem soll, so Holter, die Ausbildung zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer neu gestaltet werden. Die Thüringer Universitäten hätten bereits ihre Bereitschaft signalisiert. Mehr lesen

Doch die Situation ist in Deutschland nicht überall gleich. Nach Modellrechnungen der Kultusministerkonferenz zu Lehrereinstellungsbedarf und -angebot 2019-2030 wird es je nach Bundesland und Schultyp einerseits drastische Lücken und andererseits ein Überangebot an Lehrkräften geben. Während an Haupt-, Real- und Berufsschulen weiter mit Engpässen zu rechnen ist, wird es deutschlandweit mehr Gymnasiallehrkräfte geben als notwendig. An den Grundschulen soll der Lehrermangel nur noch bis 2023/2024 anhalten.

Die Lehrerverbände zeigen sich diesen Zahlen gegenüber skeptisch. GEW-Chefin Marlis Tepe sieht den Bedarf an Lehrkräften deutlich höher. Sie betont, dass politische Vorhaben wie Inklusion und Ganztag die Ausbildung und Einstellung von deutlich mehr Lehrkräften erforderten. Mehr lesen

Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. fordert angesichts dieser Aussichten für kommende Jahre eine Kampagne zur Gewinnung von Lehrkräften an beruflichen Schulen und mehr Studienstandorte für die beruflichen Lehrämter. Mehr lesen