Für 82 kleine Grundschulen in Sachsen-Anhalt wird es eng

(21.05.2012)

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Kultusminister Stephan Dorgerloh hat Ärger mit seinen SPD-Genossen. Dorgerloh hatte medienöffentlich gemacht, was viele ahnen, aber jetzt nicht von einem Regierungsmitglied gesagt werden soll: Etwa zwei Drittel der kleinen Grundschulen sind wohl nicht zu halten. Das hieße: gut 60 Schulen müssten auf dem Lande dichtmachen. "Dem haben sie die Ohren langgezogen", erzählt man sich in der Koalition.

Das Thema ist heikel - vor allem für die SPD. Die war nämlich in den Landtagswahlkampf gezogen mit dem Spruch: Wir streichen keine einzige Schule, wir streichen sie alle an. Also: Malern statt schließen. Das war mutig - in einem Land, in dem die Geburtenzahlen von mageren 17000 im Jahr in naher Zukunft auf noch dürftigere 12000 herunterrauschen. "Der Spruch war vor allem platt", sagt CDU-Bildungspolitiker Hardy Güssau. "Natürlich hat Dorgerloh recht", stützt der Unionsmann den SPD-Minister. "Wir müssen überlegen, ob es nicht besser ist, ein paar Standorte zu schließen und dafür gut erreichbare Schulen ordentlich zu modernisieren." Denn etliche Gebäude seien ziemlich abgewirtschaftet.

Sachsen-Anhalt hat nach der Wende bereits fast 900 Schulen aller Größen dichtgemacht. Mit der Schulnetzplanung 2009 erfolgte ein Paradigmenwechsel: Um die ohnehin ungeliebte Gemeindegebietsreform nicht zu erschweren und die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten abzubremsen, machte die Landesregierung den kleinen Orten viele Zugeständnisse. Grundschulen, die die Mindestvorgabe von 60 Schülern nicht erreichten, erhielten großzügig Ausnahmegenehmigungen. Selbst Mini-Grundschulen mit 40 Schülern bekamen Bestandsschutz. Mit dem Schuljahr 2014/15 gibt es eine neue Schulnetzplanung. Umgesetzt wird sie von den Kommunen - die Vorgaben aber kommen vom Land. Werden die Zügel angezogen? Der mittlerweile vorsichtig gewordene Minister Dorgerloh verweist auf Diskussionen im Landtag - "dieser Debatte möchten wir nicht vorgreifen." Mehr lesen