Schriftkunde trifft Lebenserfahrung

(21.06.2021)

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"Verstehst Du, was du liest?" fragt die Grundschullehrerin ihre Schülerinnen und Schüler. Dann und wann kommt diese oder eine ähnliche Frage aus der Klasse an den Religionslehrer. Und manchmal fragen wir uns das selbst: Wie kann das Leben gelingen? Was bedeutet "Gott"? Wie kann man seine Spuren im Alltag entdecken? Mit diesen Worten begrüßte Schulbeauftragter Sören Brenner 12 junge Religionslehrerinnen und Religionslehrer aus Sachsen-Anhalt. 


Am 19. Juni feierten sie mit ihren Familien in der Laurentiuskirche in Halle ihre Vokation. Mit den Urkunden bekamen sie die dauerhafte kirchliche Lehrerlaubnis für den evangelischen Religionsunterricht. Den festlichen Gottesdienst mit Gebeten, Gesang und Musik hatte die Gruppe gemeinsam entworfen und gestaltet. Die gelockerten hygienischen Auflagen der letzten Tage sorgten wesentlich für die freundliche und entspannte Atmosphäre.

   

Zur Vokation gehört immer auch ein Seminar, in welchem bedeutsame berufsbiografische Entscheidungen und das eigene Berufsverständnis reflektiert werden. Pandemiebedingt hatten die Schulbeauftragten, das zuständige Referat im Landeskirchenamt und die Kolleginnen und Kollegen aus dem PTI virtuelle Szenarien für den Austausch und die Zusammenarbeit entwickelt. Die Reckahner Leitlinien zum pädagogischen Handeln wurden zur Projektionsfläche für vertiefte Wahrnehmungen eigener Berufserfahrungen und die Suche nach qualifizierter Weiterentwicklung.

Das Gespräch zwischen dem Kämmerer und Philippus aus Apostelgeschichte 8,27-39 begleitete die Gruppe durch das Online-Seminar.  Es wirkte wie ein hermeneutischer Schlüssel für die Erfahrungen in der Schule, den Blick auf Schülerinnen und Schüler, die Begegnungen im Lehrerzimmer und das Sprechen mit Eltern und Angehörigen.

 

Propst Johann Schneider verwies in seiner Ansprache auf diese Zusammenhänge: "Der Kämmerer liest. Er liest mit seinen Erfahrungen und für seine Wirklichkeit. Philippus ist der Hermeneut. Er zeigt die Beziehungen zwischen Transzendenz und Lebenserfahrung auf. Sie sind Philippus. Ihre Schülerinnen und Schüler kommen mit ihren je eigenen Erfahrungen. Wenden Sie sich ihnen zu. Eröffnen Sie ihnen Zusammenhänge. Lesen Sie mit ihnen die Basisbibel. Das sich ein Verständnis einstellt, liegt nicht allein in ihrer Hand."

Vor diesem Hintergrund hatte sich die Gruppe für eine Vertonung von Psalm 139 "Von allen Seiten umgibst du mich" entscheiden, die Marita Giesecke vortrug. Den Segen begleitete Bernhard Schmerscheider auf seiner Gitarre:

Ich wünsch dir Gottes Segen, entfalte alles, was du in dir spürst,
die Dinge, die dir liegen, auch wenn du mal gewinnst und mal verlierst.
Wag neue Wege, probier dich einfach immer wieder aus
und lass dich nicht verbiegen, lebe mutig, offen, geradeaus.
Ich wünsch dir diesen Segen!

   

Die nächste Vokationstagung wird abhängig von der Infektionslage vom 23. bis 25. September 2021 in Präsenz in Drübeck oder erneut virtuell stattfinden.